Churerdeutsch

Churerdeutsch

Gesprochen in

Chur
Sprecher ca. 30.000
Linguistische
Klassifikation

Indogermanische Sprachfamilie Germanische Sprachen

Westgermanische Sprachen
Deutsche Sprache
Oberdeutsche Sprache
Alemannisch
  • Churerdeutsch
Offizieller Status
Amtssprache in de jure nirgendwo
de facto im mündlichen Amtsverkehr: Kanton Graubünden Chur

Unter Churerdeutsch wird der Dialekt der Stadt Chur (Schweiz) verstanden. Es handelt sich dabei um einen Ostschweizer Dialekt.[1] Chur war bis Mitte des 15. Jahrhunderts romanischsprachig und wurde dann nach und nach germanisiert. Die Sprachwissenschaftler gehen davon aus, dass das romanische Substrat das alemannische Superstrat mitbeeinflusst hat, dies vor allem in der Aussprache und Intonation. Der Churerdialekt als relativ junger Dialekt weist aber auch standardsprachliche Züge auf.

Typische Merkmale

Germanisches k- im Anlaut wird im Churerdialekt als aspiriertes kh- (wie in der Standardsprache) realisiert, so etwa in Khuchi für 'Küche'. Im Inlaut hörte man bis vor etwa 20 Jahren noch deutlich Formen wie mahha für 'machen'. Germ. -nk- erscheint im Churerdialekt als tengga für 'denken'. – Damit grenzt sich Chur von den meisten schweizerdeutschen Dialekten ab, die in den genannten Beispielen lautverschobene Formen wie Chuchi, mache, dänkche realisieren würden. Im Nebensilben-Vokalismus erscheinen im Churerdeutschen vielfach a-haltige Endungen, wobei das a je nach Emphase und Sprecher/Sprecherin mehr oder weniger ausgeprägt sein kann. Beispiele: suacha für 'suchen'; hemmar für 'haben wir'. Ebenso kann das zweite Diphthongelement a-haltig sein: viar für 'vier'; Diar gibi khai Piar! für 'Dir gebe ich kein Bier, prüafa' für 'prüfen. Der finale standardsprachliche Diphthong -ei [-ai] erscheint im älteren Churerdeutschen als -ei und nicht als -ai: Polizei, Metzgerei, drei, Blei.

Verben

Die Sonderstellung des Churerdialektes zeigt sich aber auch in den Verbformen. In Chur waren bis vor einiger Zeit zweisilbige Verben üblich für die in der Schweiz sonst eher verbreiteteren einsilbigen Formen, also zücha für zie (ziehen), schlaaga für schloo (schlagen) etc. Auffallend sind auch die meist hellen a-Färbungen im Wortinnern gegenüber den sonst häufig verdumpften (geschlossenen) As sowie die Endung der Infinitivformen auf -a anstelle des in den übrigen Schweizer Dialekten üblichen -ä oder Schwa.

Beispiele

Auszug aus dem Wörterverzeichnis von Oscar Eckhardt mit einigen heute kaum mehr verwendeten Ausdrücken:

räägga – weinen
rätscha – verpetzen
Rätschbääsa, dr – Petzer, Petzerin
Riissplei, ds – Bleistift ("Reißblei", der erste Bestandteil entspricht engl. to write "schreiben")
Ritscha, d – eine Reihe, z. B. eine Reihe Bohnen
rooba – zügeln, umziehen
Roobi, d – das Umziehen; die Ware (Lehnwort aus dem Rätoromanischen: la roba = die Sache, das Ding)

Churerdeutsch als Leitmundart

Wie Oscar Eckhardt in seiner Studie "Alemannisch im Churer Rheintal" nachweisen konnte, ist in den letzten 70 Jahren im Churer Rheintal ein neuer Regionaldialekt entstanden, der zwar vom Churerdeutschen mitgeprägt wurde, sich aber vom Churerdeutschen von 1950 stark unterscheidet. Der neue Dialekt (von Eckhardt als "Churerrheintalisch" bezeichnet) zeigt viele Züge des alten Churerdeutschen, die als besonders typisch geltenden Bündnerromanischen Sprachrelikte sind aber verschwunden. Walserische Einflüsse haben sich vermindert. Standardsprachliche Entlehnungen sind, phonetisch angepasst, in den neuen regionalen Dialekt aufgenommen worden.

Bibliographie

  • Oscar Eckhardt: Die Mundart der Stadt Chur. Hrsg. vom Phonogrammarchiv der Universität Zürich. Text (Dissertation) und Tonkassette. Zürich 1991.
  • Oscar Eckhardt: Tschent – Churerdeutsch. Desertina, Chur 2007 (enthält auch eine Audio-CD).
  • Oscar Eckhardt: Alemannisch im Churer Rheintal. Von der lokalen Variante zum Regionaldialekt (= Zeitschrift für Dialektologie und Linguistik. Beiheft 162). Steiner, Stuttgart 2016.
  • Oscar Eckhardt: Alemannisch im Churer Rheintal. Von der lokalen Variante zum Regionaldialekt. In: Schweizerisches Idiotikon / Schweizerdeutsches Wörterbuch. Jahresbericht 2017, S. 21–32 (Kurzfassung des Vorigen).

Einzelnachweise

  1. Rudolf Hotzenköcherle: Die Sprachlandschaften der deutschen Schweiz. Sauerländer, Aarau, Frankfurt am Main, Salzburg 1984 (Reihe Sprachlandschaften der Schweiz 1), ISBN 3-7941-2623-8; hier: Der Nordosten. S. 91–124.

Content Disclaimer

Informasi ini disarikan dari Wikipedia dan disajikan kembali untuk tujuan edukasi. Konten tersedia di bawah lisensi CC BY-SA 3.0. Kami tidak bertanggung jawab atas ketidakakuratan data yang bersumber dari kontribusi publik tersebut.

  1. The information displayed on this website is sourced in part or in whole from Wikipedia and has been adapted for the purpose of restating it. We strive to provide accurate and relevant information, however:
  2. There is no guarantee of absolute accuracy. Wikipedia is an open, collaborative project that can be edited by anyone, so information is subject to change.
  3. It is not intended to constitute professional advice. The content displayed is for informational and educational purposes only. For important decisions (e.g., medical, legal, or financial), please consult a professional.
  4. Content copyright. Wikipedia is licensed under the Creative Commons Attribution-ShareAlike License (CC BY-SA). This means that content may be reused with appropriate attribution and shared under a similar license.
  5. Responsible use. Any risk arising from the use of information from this website is entirely the responsibility of the user.