Carlo Burkhardt

Carlo Burkhardt (* 1965)[1] ist ein deutscher Ingenieur und Werkstoffwissenschaftler.[1] Er ist Professor für Fertigungstechnik und wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Strategische Technologie- und Edelmetalle (STI) an der Hochschule Pforzheim.

Leben und Wirken

Burkhardt studierte Werkstoff- und Oberflächentechnik an der Hochschule Furtwangen und schloss 1992 als Diplom-Ingenieur (FH) ab.[1] Von 1993 bis 1996 promovierte er im Fach Metallurgie und Werkstoffe an der University of Birmingham (UK); später habilitierte er sich im Bereich Werkstoffwissenschaften an der Jožef-Stefan International Postgraduate School in Ljubljana.[2]

Nach mehreren Jahren in leitenden technischen Funktionen in der Industrie, unter anderem in der Entwicklung und Fertigung metallischer Präzisionsbauteile, wurde Burkhardt Professor für Fertigungstechnologie an der Hochschule Pforzheim.[1][3] Dort ist er wissenschaftlicher Direktor des Instituts für strategische Technologie- und Edelmetalle (STI), das aus dem früheren Schmucktechnologischen Institut hervorging.[4][3] Parallel dazu wirkt er als Professor für Werkstoffe an der Jožef-Stefan International Postgraduate School.[2]

Burkhardt ist in der Standardisierung und Rohstoffpolitik auf nationaler und europäischer Ebene aktiv.[3][5] Er leitet die deutsche Spiegelgruppe des ISO-Standardisierungskomitees ISO/TC 298 „Rare Earth“ und arbeitet in der europäischen Normung (CEN) an Standards für Seltenerdmetalle.[3][6]

Zudem ist er Mitglied des High Level Forum „Workstream on Critical Raw Materials“ der Europäischen Kommission und beteiligt sich am Runden Tisch Metallrecycling des Bundesumweltministeriums zur Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie Deutschlands.[3] Gemeinsam mit Projektpartnern verfasste er den ERMA Action Plan „Rare Earth Magnets and Motors: A European Call for Action“, der Maßnahmen zur Sicherung europäischer Lieferketten für Permanentmagnete und Elektromotoren vorschlägt.[7]

Burkhardt veröffentlichte drei Bücher sowie zahlreiche peer-reviewte Fachartikel und ist Mitinhaber mehrerer Patente.[2][8] Seine Forschung wird auf Google Scholar mit über 600 Zitierungen erfasst (h-Index 12, i10-Index 14).[9]

Forschungsschwerpunkte

Burkhardts Forschungsschwerpunkt liegt auf der Kreislaufwirtschaft für Neodym-Eisen-Bor-Permanentmagnete und auf dem Aufbau krisenfester europäischer Lieferketten für kritische Rohstoffe.[3][10] Er koordinierte bzw. koordiniert mehrere großvolumige, von der Europäischen Union geförderte Projekte mit Gesamtbudgets im zweistelligen Millionenbereich, darunter REProMag, SUSMAGPRO und REEsilience.[10][5]

Diese Vorhaben zielen auf die Rückgewinnung und Wiederverwendung von Magnetmaterialien aus Altgeräten und industriellen Reststoffen sowie auf den Aufbau einer europäischen Wertschöpfungskette für Seltenerdmagnete, um die Abhängigkeit von importierten Primärrohstoffen – insbesondere aus China – zu verringern.[3][5] In diesem Kontext verantwortet Burkhardt am STI den Aufbau von Pilotanlagen und „short-loop“-Recyclingprozessen für Permanentmagnete.[10][11]

Auszeichnungen

Burkhardt erhielt für seine Arbeiten zu Ressourceneffizienz, Recycling und Werkstofftechnik mehrere Auszeichnungen.[1] Darunter der Deutsche Rohstoffeffizienzpreis (German Innovation Award for Raw Material Efficiency) und der Umwelttechnikpreis Baden-Württemberg, für praxisnahe Lösungen zur rohstoffeffizienten und umweltgerechten Nutzung von Materialien. Darüber hinaus wurde er von der Hochschule Pforzheim mit dem Research Excellence Award geehrt und als European Success Story im Kontext von EU-Forschungsprojekten hervorgehoben.[1]

Mediale Rezeption

Burkhardt wird regelmäßig als Experte für Rohstoffresilienz und Magnetrecycling in überregionalen Medien zitiert.[12][13][14] 2025 kommentierte er in einem Bericht der Tagesschau die europäischen Anstrengungen zur Verringerung der Abhängigkeit von importierten Seltenen Erden und ordnete die Recyclingquotenziele der EU bis 2030 ein.[12]

Anlässlich der Eröffnung der HyProMag-Recyclinganlage in Pforzheim im April 2026 berichteten sowohl SWR Aktuell als auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung ausführlich über das Projekt und Burkhardts Rolle als Mitgründer.[14][13] SWR Aktuell Radio führte zudem ein Interview mit Burkhardt, in dem er das HPMS-Verfahren und dessen Beitrag zur europäischen Rohstoffunabhängigkeit erläuterte; der Beitrag wurde auch in der ARD Audiothek veröffentlicht.[15][16]

Publikationen (Auswahl)

Bücher

  • mit Bert Balmer: Entkoppelelemente in der Fahrzeugtechnik. Flexible Verbindung zwischen Motor und Abgasanlage. Verlag Moderne Industrie, Landsberg 2002; 2. aktualisierte Auflage 2008, ISBN 978-3-937889-73-3.
  • Metallpulverspritzguss. Fertigung komplexer Bauteile in höchster Präzision. Verlag Moderne Industrie, Landsberg 2013, ISBN 978-3-86236-056-7.

Artikel

  • mit P. Freigassner, O. Weber, P. Imgrund, S. Hampel: Fused Filament Fabrication (FFF) of 316L Green Parts for the MIM Process. World PM2016-AM-Deposition Technologies, 2016.
  • mit J. Gonzalez-Gutierrez, D. Godec, C. Kukla, T. Schlauf, C. Holzer: Shaping, Debinding and Sintering of Steel Components via Fused Filament Fabrication. Proceedings of the 16th International Scientific Conference on Production Engineering, 2017.
  • mit A. Lehmann, B. Podmiljšak, S. Kobe: A Systematic Classification and Labelling Approach to Support a Circular Economy Ecosystem for NdFeB-Type Magnets. In: Journal of Materials Science and Engineering B. Band 10, Nr. 4, 2020, doi:10.17265/2161-6221/2020.7-8.001
  • mit R. Gauß, F. Carencotte, M. Gasparon, O. Gutfleisch et al.: Rare Earth Magnets and Motors: A European Call for Action. Bericht des Rare Earth Magnets and Motors Cluster der European Raw Materials Alliance, 2021.
  • mit S. Van Nielen, M. Awais, F. Bartolozzi, J. Blomgren, P. Ortiz et al.: An Overview of Hydrogen Assisted (Direct) Recycling of Rare Earth Permanent Magnets. In: Journal of Magnetism and Magnetic Materials. Band 588, 2023, doi:10.1016/j.jmmm.2023.171475
  • mit L. Grau, P. Fleissner, S. Kobe: Processability and Separability of Commercial Anti-Corrosion Coatings Produced by In Situ Hydrogen-Processing of Magnetic Scrap (HPMS) Recycling of NdFeB. In: Materials. Band 17, Nr. 11, 2024, https://doi.org/10.3390/ma17112487
  • mit F. Ortiz, K. Daoud, T. Björnfot, F. Ahrentorp, J. Blomgren et al.: Automated High-Speed Approaches for the Extraction of Permanent Magnets from Hard-Disk Drive Components for the Circular Economy. In: Magnetism. Band 4, Nr. 3, 2024, S. 295–304, doi:10.3390/magnetism4030019

Einzelnachweise

  1. a b c d e f Prof. Dr. Carlo Burkhardt. In: Hochschule Pforzheim. Abgerufen am 21. Juli 2026.
  2. a b c Carlo Burkhardt. In: RAW MATERIALS SUMMIT. Abgerufen am 21. Juli 2026.
  3. a b c d e f g Prof. Dr. Carlo Burkhardt. In: Zukunftsstandort Deutschland. 11. Januar 2024, abgerufen am 21. Juli 2026.
  4. STI – Institut für strategische Technologie- und Edelmetalle. In: Hochschule Pforzheim. Abgerufen am 21. Juli 2026.
  5. a b c Making rare earth magnet supply chains more sustainable and secure. In: Steinbeis Europa Zentrum. 31. August 2021, abgerufen am 21. Juli 2026 (englisch).
  6. Setting standards for critical raw materials. In: CEPS. 2024, abgerufen am 21. Juli 2026 (englisch).
  7. Rare Earth Magnets and Motors: A European Call for Action. In: European Raw Materials Alliance (ERMA). 30. September 2021, abgerufen am 21. Juli 2026 (englisch).
  8. Dr. Carlo Burkhardt – Pforzheim University, Germany. In: Santa Fe Symposium. Abgerufen am 21. Juli 2026.
  9. Carlo Burkhardt – Google Scholar. In: Google Scholar. Abgerufen am 21. Juli 2026.
  10. a b c Die Lieferketten für Seltenerdmagnete nachhaltiger und sicherer gestalten. In: Steinbeis Europa Zentrum. 31. August 2021, abgerufen am 21. Juli 2026.
  11. SUSMAGPRO endet als großes Erfolgsprojekt. In: Hochschule Pforzheim. 31. Januar 2024, abgerufen am 21. Juli 2026.
  12. a b Wie Europa bei seltenen Erden unabhängiger werden könnte. In: Tagesschau.de. 23. September 2025, abgerufen am 21. Juli 2026.
  13. a b Recycling statt Bergbau: Seltene Erden aus Magnetschrott. In: FAZ.net. 28. April 2026, abgerufen am 21. Juli 2026.
  14. a b Knappe Seltene Erden in der Industrie: Recycling-Anlage in Pforzheim eröffnet. In: SWR Aktuell. 28. April 2026, abgerufen am 21. Juli 2026.
  15. Neue Magnet-Recycling-Anlage: Kann sie uns unabhängig von Rohstoffen aus China machen? In: SWR Aktuell Radio. 28. April 2026, abgerufen am 21. Juli 2026.
  16. Neue Magnet-Recycling-Anlage: Kann sie uns unabhängig machen? In: ARD Audiothek. 27. April 2026, abgerufen am 21. Juli 2026.

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