Carl Liebig

Carl Liebig (* 25. Juli 1808 in Schwedt/Oder; † 6. Oktober 1872 in Berlin) war ein deutscher Musiker und Dirigent. Als Gründer und langjähriger Leiter der Liebig’schen Kapelle gilt er als ein Pionier der Demokratisierung des klassischen Konzertwesens im Berlin des 19. Jahrhunderts.

Leben

Liebig absolvierte seine musikalische Ausbildung in der preußischen Armee und wirkte als Klarinettist im renommierten Kaiser Alexander Garde-Grenadier-Regiment Nr. 1 in Berlin unter der Leitung von Wilhelm Wieprecht.

Im Jahr 1843 quittierte er den Militärdienst und gründete mit 23 Musikern ein privatwirtschaftliches Ensemble, die Liebig’sche Kapelle. Da das damalige Berliner Konzertwesen stark durch die elitäre Königliche Hofkapelle geprägt war, besetzte Liebig eine kulturelle Nische: Seine Motivation war es, symphonische Werke einem breiten, bürgerlichen Publikum zugänglich zu machen. Ab 1848 veranstaltete er die sogenannten „Sinfonie-Konzerte mit Kaffee“ (Kaffeekonzerte). Diese zeichneten sich durch niedrige Eintrittspreise und eine ungezwungene Atmosphäre aus, was in zeitgenössischen Fachmedien wie den Signale für die musikalische Welt als soziales Phänomen gewürdigt wurde. Im Jahr 1860 erhielt er für seine Verdienste den Titel eines Königlichen Musikdirektors.

Liebig förderte gezielt zeitgenössische Musik und bot als einer der wenigen Dirigenten seiner Epoche auch Komponistinnen eine Bühne; so brachte er beispielsweise im Winter 1848/1849 erste große Werke von Emilie Mayer zur Uraufführung.

Ende der 1860er Jahre geriet das Ensemble unter wirtschaftlichen Druck. 1869 übergab Liebig die Leitung an seinen Sohn Julius Liebig, unter dem das Orchester in Berliner Symphoniecapelle umbenannt wurde. Die Übergabe war von familiären und finanziellen Spannungen geprägt, in deren Folge Teile des Ensembles zeitweise von Julius Stern übernommen wurden. Carl Liebig zog sich aus der Öffentlichkeit zurück und verstarb 1872 in Berlin. Seine Musiker bildeten über spätere Zwischenstationen das Fundament für die 1882 gegründeten Berliner Philharmoniker.

Literatur

  • Über die Liebig’sche Kapelle in Berlin. In: Signale für die musikalische Welt 26 (1868), S. 133f.
  • Cordula Heymann-Wentzel: Das Stern’sche Konservatorium der Musik in Berlin. Dissertation, Universität der Künste Berlin, 2009. (PDF)
  • Hugo Riemann: Musiklexikon. Band 2, Schott, Mainz 1961, S. 220.

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