CSD München

Der Christopher Street Day München, kurz CSD München (auch Munich Pride), ist eine jährliche queere Demonstration und Festveranstaltung in München Ende Juni. Er fand erstmals 1980 statt und ist mit teils über 500.000 Teilnehmenden eine der größten Pride-Veranstaltungen im süddeutschen Raum und in Deutschland.
Geschichte
Vorläufer
Eine öffentliche Aktion von Homosexuellen in München fand am 19. Juli 1973 statt. Die Homosexuelle Aktion München (HAM) beteiligte sich mit Info-Ständen in der Fußgängerzone an einer viertägigen Aktion, um Bewusstsein für die Belange von Homosexuellen zu schaffen. Die Aktion fand mit behördlicher Genehmigung statt.[1]
Im Juni 1976 fand im Schlosspark Nymphenburg die erste größere Schwulendemonstration in München statt. Veranstaltet wurde sie im Rahmen des jährlichen Pfingsttreffens bundesdeutscher Schwulengruppen, das in jenem Jahr in München abgehalten wurde.[2]
Anfänge
Am 28. Juni 1980 fand der erste Christopher Street Day in München statt. Etwa 50 bis 180 teils vermummte Teilnehmende zogen unter dem Motto „Schwul, na und?“ vom Sendlinger Tor zum Geschwister-Scholl-Platz. Die Demonstration wurde von großen Medien, der Politik und einer breiteren Öffentlichkeit kaum rezipiert.[1][2]
Erst seit Ende der 1980er Jahre findet der CSD München jährlich statt. 1994 übernahm mit Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) erstmals ein Oberbürgermeister die Schirmherrschaft über den CSD München.[2]
Entwicklung im 21. Jahrhundert
Im Jahr 2000 wurde der Marienplatz erstmals mit Regenbogenfahnen beflaggt.[2]
2023 verzeichnete der CSD München seine höchsten Teilnehmendenzahlen: 60.000 Teilnehmende an der Parade und 460.000 Zuschauende. Über 180 Gruppen und Initiativen beteiligten sich am Zug der Parade.[2] 2025 verzeichnete die Parade 300.000 Zuschauende; der Demonstrationszug war über 4 Kilometer lang.[3][4]
In den Jahren 2023 und 2024 wurde die CSU von der Teilnahme an der Parade ausgeschlossen aufgrund ihrer Skandalisierung einer Drag-Buchlesung in einer Münchner Stadtbibliothek, ihrer Ablehnung des Selbstbestimmungsgesetzes, eines „polemisierenden“ Absatzes zu Identitätspolitik im CSU-Grundsatzprogramm sowie dem Verbot geschlechtergerechter Sprache für Behörden.[4][5] 2025 war die CSU wieder bei der Parade dabei, 2026 ist die Teilnahme mit eigenem Wagen geplant.[6]
2025 fehlten einige Großfirmen als Sponsoren wegen schlechterer wirtschaftlicher Lage, aber auch weil sie wegen der Trump-Regierung nicht mehr in Diversity-Programme investieren würden. Die Stadt München glich den fehlenden Betrag 2025 aus.[7]
Mottos
Jährlich wird ein politisches Motto für den CSD München vergeben, so zum Beispiel:
- 1980: „Schwul, na und?“[2]
- 1994: „Lesben und Schwule feiern gemeinsam“[2]
- 2000: „Out & Proud“[2]
- 2024: „Vereint in Vielfalt – Gemeinsam gegen Rechts“[4]
- 2025: „Liberté Diversité Queerité“ (Freiheit, Vielfalt, Queerheit)[8]
- 2026: „Unsere Vielfalt ist unsere Stärke“[3]
Organisation
Die Veranstaltung wird von Munich Pride getragen, deren Gesellschafter der Verein LesCommunity, das Zentrum Sub, die Münchner Aids-Hilfe, die Wählerinitiative Rosa Liste und die queere Jugendorganisation diversity München sind.[3]
Rahmenprogramm
Der CSD München erstreckt sich über zwei sogenannte PrideWeeks mit über 80 Veranstaltungen (Stand 2025).[3] Zu den Hauptbestandteilen gehören neben der Parade:
- Ein zweitägiges Straßenfest findet rund um den Marienplatz statt. Auf mehreren Bühnen treten dort Künstler auf. Das Straßenfest bietet Informationsstände, Musik und Aktionen. Aus Platz- und Sicherheitsgründen wurde das Fest 2026 auf die Ludwigstraße verlegt, nachdem es zuvor am Marienplatz gefeiert wurde.[9]
- Seit 2003 findet im Rathaus das sogenannte RathausClubbing statt, bei dem die queere Community zu Partys eingeladen ist.[2]
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b Karl Stankiewitz: Geschichte des CSD in München. In: Süddeutsche Zeitung. 12. Juli 2013, abgerufen am 13. Juni 2026.
- ↑ a b c d e f g h i Pride in Progress: 45 Jahre CSD München. In: Queer City Guide. 25. Juni 2025, abgerufen am 13. Juni 2026.
- ↑ a b c d Kampagne: "Pride bedeutet Schutz, nicht Abschiebung!" In: CSD München. Abgerufen am 13. Juni 2026.
- ↑ a b c „Gemeinsam gegen Rechts“: Menschenmassen beim CSD München. In: Queer.de. Abgerufen am 13. Juni 2026 (deutsch).
- ↑ Joachim Mölter: CSU darf nicht bei der CSD-Parade in München mitfahren. In: Süddeutsche Zeitung. 21. Mai 2024, abgerufen am 13. Juni 2026.
- ↑ CSU beim CSD München - Rückkehr eines Paradewagens. In: Schwulissimo. 11. Juni 2026, abgerufen am 13. Juni 2026.
- ↑ David Herting: Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen beim CSD in München. In: Bayerischer Rundfunk. 28. Juni 2025, abgerufen am 13. Juni 2026.
- ↑ Prideguide. Das offizielle Magazin zum Munich Pride. In: CSD München. 2025, abgerufen am 13. Juni 2026.
- ↑ Christopher Street Day: CSD München als Zeichen gegen zunehmende Anfeindungen. In: Die Zeit. 8. Juni 2026, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 13. Juni 2026]).
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