Bob Zieff
Robert L. „Bob“ Zieff (* 4. Juni 1927 in Lynn, Massachusetts; † 26. März 2026 in Stuart (Florida)[1]) war ein US-amerikanischer Arrangeur und Komponist, der sich auch als Musikpädagoge betätigte.
Leben und Wirken
Zieff wurde in Lynn, Massachusetts, als Kind litauischer Einwanderer geboren. An der Boston University studierte er Harmonielehre, Komposition und Musikwissenschaft. 1953 komponierte er auf Wunsch des Jazzgeigers Dick Wetmore eine achtteilige Suite, die reichlich Raum für Improvisation bot. Die Jordi Pujol zufolge anregenden Kompositionen von Zieff zeichneten sich durch frische, fesselnde Melodielinien, interessante harmonische Verläufe und ein Gespür für das Ganze aus statt eine Aneinanderreihung von Einzelteilen zu sein. Seine anspruchsvollen Partituren wurden von Wetmores Quartett für Bethlehem Records aufgenommen, doch das Label veröffentlichte sie erst zwei Jahre später auf einem 10-Zoll-Album. Leider hatte Dick Wetmores Musik zu dieser Zeit keine große kommerzielle Anziehungskraft, und trotz der guten Resonanz auf die Musik seitens der Kritiker war Zieffs Kompositionsstil für den amerikanischen Markt viel zu komplex. Erschwerend kam hinzu, dass 10-Zoll-Platten rasch durch die neuen 12-Zoll-Vinylplatten ersetzt wurden, sodass die Veröffentlichung ein Flop war.[2]
Zieffs fantasievolles Songwriting und sein einzigartiger musikalischer Geist weckten das Interesse seines Freundes, des Pianisten Richard Twardzik, der Bob Zieff bat, ihm Privatunterricht in Komposition zu geben. Als Twardzik 1955 mit Chet Bakers Quartett nach Europa reiste, nahm er mehrere von Zieffs Stücken mit. Die meisten davon, darunter "Sad Walk", "Brash" und "Pomp", spielte der Trompeter in Paris ein, und zurück in den USA nahm Chet Baker einige von Zieffs Stücken wie "Slightly Above Moderate" in das Repertoire seiner neuen Band auf.[3] Über sie urteilte der Jazzkritiker Nat Hentoff 1956: „Zieff ist ein Komponist, von dem man mehr hören sollte“.[2]
Zieff gehörte neben Gil Evans, John Lewis und George Russell zu einer Gruppe progressiver Jazz-Arrangeure, denen in den 1950er Jahren an der Erweiterung des harmonischen und formalen Materials im Jazz gelegen war.[4] Zu seinen Vorbildern gehörten Künstler wie Arnold Schönberg, Gil Evans, Bix Beiderbecke, Eddie Sauter, Billy Strayhorn und Red Nichols. Der Saxophonist Anthony Ortega präsentierte Kompositionen von Zieff auf seinem Album „Jazz for Young Moderns (And Old Buzzards, Too)“. Weitere Aufnahmen der Kompositionen und Arrangements Zieffs, die zunächst unveröffentlicht blieben, spielte zu dieser Zeit auch Jack Nimitz mit seinem Orchester für ABC-Paramount ein.
Zieff, der sich selbst als „Underground-Jazzkomponist“ bezeichnete, verließ 1959 New York und gab seine Karriere als hauptberuflicher Musiker und Arrangeur auf, um in der Musikpädagogik zu arbeiten, zunächst in Los Angeles und später an verschiedenen anderen Orten, vor allem am Dickinson College in Carlisle, Pennsylvania. Des Weiteren schrieb er Beiträge für The New Grove Dictionary of Jazz. Anlässlich seines 80. Geburtstags im Jahr 2007 wurden Zieffs Kompositionen in seiner Anwesenheit in Wien aufgeführt.[5] 2022 erklangen dort weitere Kompositionen von ihm.[4] Zu seinen Schülern gehörten auch Ray Santisi und Dick Johnson.
Das Label Fresh Sound Records stellte 2016 eine 2-CD-Kompilation zusammengestellt, die alle verfügbaren Aufnahmen seiner besten Kompositionen und Arrangements enthält.[2] Enrique Heredia nahm ein Album mit Zieffs Kompositionen auf; auch Franz Koglmann pflegte dessen Repertoire.[6]
Würdigung
Der Linguist und Jazzexperte Jack Chambers interviewte Zieff und dokumentierte dessen Leben und Karriere 2004 in einer Ausgabe der Zeitschrift „Sirena“ (herausgegeben von The Johns Hopkins University Press für den Fachbereich Spanisch und Portugiesisch am Dickinson College).
„Auch wenn Zieffs Kompositionen nie großen kommerziellen Erfolg hatten, sind sie in der Jazzszene von großer Bedeutung“, schrieb Chambers. „Seine Zusammenarbeit mit Baker, Wetmore und anderen Jazz-Pionieren jener Zeit festigte seinen Ruf als Komponist von herausragender technischer Kompetenz und emotionaler Tiefe. Zieffs Musik wurde von Liebhabern des modernen Jazz wiederentdeckt, und seine Werke gelten heute als wegweisende Beiträge zum Jazz der Mitte des Jahrhunderts“.[7]
Bob Zieffs Kompositionen sind „irgendwie vollendet, logisch und einzigartig“, hieß es in JazzTimes.[8] Zieffs kompositorisches Können sei wirklich beeindruckend, lobte auch George W. Harris (Jazz Weekly). Die vom Geiger Dick Wetmore präsentierten Stücke seien raffiniert, ohne jemals kühl zu wirken; „sie sind kleine Juwelen der Freude, denn „Piece Caprice“ und „Pomp“ verbinden die Unbeschwertheit der Gypsy Jazz mit Intellekt und Selbstsicherheit“.[9]
Franz Koglmann schrieb über Zieff unter der Überschrift „Going Underground“ einen längeren Artikel in der deutschen Jazzzeitschrift Jazz Podium.[10]
Diskographische Hinweise
- The Music of Bob Zieff (Fresh Sound Records, ed. 2016), u. a. mit Dick Wetmore, Chet Baker, Dick Twardzik, Phil Urso, Bobby Timmons, Jimmy Bond, Art Farmer, Jimmy Buffington, Anthony Ortega, Dick Hafer, Ahmed Abdul-Malik, Jack Nimitz, Bill Harris, Kenny Burrell, Jimmy Raney, Chuck Wayne, Oscar Pettiford, Don Lamond
- Enrique Heredia Quartet: Plays the Music of Bob Zieff (Swing Alley, 2016)
Weblinks
- Bob Zieff bei Discogs
- Bob Zieff bei AllMusic (englisch)
- Jack Chambers: Revenge of the Jazz Underground Composer. In: Sirena. 2004 (englisch, Online [PDF]). (PDF; 0,1 MB)
- Jazz au Trésor : The Music of Bob Zieff. In: France Musique. 25. Oktober 2016 (französisch).
Anmerkungen und Einzelnachweise
- ↑ Nachruf. In: National Today. 29. März 2026, abgerufen am 31. März 2026 (englisch).
- ↑ a b c Jordi Pujol: The Music of Bob Zieff. In: Fresh Sound Records. 2016, abgerufen am 31. März 2026 (englisch).
- ↑ Die Musik Zieffs erschien auf den Chet-Baker-LPs Chet Baker Quartet (Barclay 84009), Chet Baker & Crew (Pacific Jazz PJ-1224), Jazz for Young Moderns (Bethlehem BCP-79) und The Playboy Jazz All Stars 1959 (Playboy PB1959)
- ↑ a b Festkonzert. In: Radiokulturhaus. 2022, abgerufen am 31. März 2026.
- ↑ 25 Jahre Wiener Musik Galerie. In: Ö1. 2007, abgerufen am 31. März 2026.
- ↑ Ronald Pohl: Franz Koglmanns Klangreise durch neue Dämmerungsnuancen. In: Der Standard. 26. April 2024 ([ Online]).
- ↑ Bob Ziff, a Tribute. In: The Pasticheur: Literature, Art, & Ideas. 1. April 2026, abgerufen am 1. April 2026 (amerikanisches Englisch).
- ↑ Jazz Times - Band 28, Ausgaben 2-5, 1998, Seite 61
- ↑ George W. Harris: Bob Zieff: The Music of Bob Zieff, Enrique Heredia Quartet: Plays the Music of Bob Zieff. In: Jazz Weekly. 31. Oktober 2016, abgerufen am 1. März 2026 (englisch).
- ↑ Ausgabe 12/2022–1/2023, Seiten 29/30
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Zieff, Bob |
| ALTERNATIVNAMEN | Zieff, Robert L. |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanischer Komponist, Arrangeur und Musikpädagoge |
| GEBURTSDATUM | 4. Juni 1927 |
| GEBURTSORT | Lynn, Massachusetts |
| STERBEDATUM | 26. März 2026 |
| STERBEORT | Stuart (Florida) |
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