Bell D-292
| D-292 | |
|---|---|
| Typ | Experimenteller Hubschrauber |
| Entwurfsland | |
| Hersteller | Bell Helicopter |
| Erstflug | 30. August 1985 |
| Stückzahl | 3 |
Der Bell D-292 war ein amerikanischer Versuchshubschrauber, der von Bell Helicopters für das „Advanced Composite Airframe Program“ (ACAP) der US Army im Rahmen der Untersuchungen zum „Light Helicopter Experimental“-Programm (LHX) entwickelt wurde.
Entwicklungsgeschichte
Die Bell D-292 wurde im Rahmen des „Advanced Composite Airframe Program“ (ACAP) der US-Armee entwickelt, einem Projekt zur Entwicklung eines vollständig aus Verbundwerkstoffen bestehenden Hubschrauberrumpfs, der deutlich leichter und kostengünstiger in der Herstellung war als überwiegend aus Metall gefertigte Rümpfe, und das zur Unterstützung des LHX-Programms diente. Im Februar 1981 wurden Aufträge an Sikorsky und Bell Helicopters vergeben. Wobei Sikorsky den S-75 vorstellte.[1] Beide Unternehmen sollten jeweils drei Rümpfe bauen: eine serienreife Version, eine Version für statische Tests und ein Flugtestfahrzeug.[2] Die Design Phase ging bis Oktober 1982. Ab Ende Oktober des gleichen Jahres begann man mit dem Bau von jeweils 3 Flugzellen. Die erste diente primär nur zur Machbarkeitsprüfung der Arbeitsabläufe und der benötigten Werkzeuge. Wurde aber später auch für den Nachweis der Reparierfähigkeit und für ballistische Tests verwendet. Die zweite Flugzelle wurde für Flugversuche genutzt. Die dritte Flugzelle war ein Doppelgänger aus konventionellen Materialien, um sie so besser vergleichen zu können.
Die für ACAP hergestellten Flugzeugzellen wurden in erster Linie so konstruiert, dass sie die Anforderungen an die Crashfestigkeit gemäß MIL-STD-1290 erfüllen. Wesentliche Teile des Cockpits, der Kabine und anderer Bereiche wurden so gebaut, dass sie diese Anforderungen erfüllen. Die Heckteile wurden unter Berücksichtigung der Flugbelastungen bei einer beschädigten Flugzeugzelle ausgelegt. Während die Türen, Verkleidungen und Teile des Leitwerks auf der Grundlage von Luftlasten konstruiert wurden.
Der Rumpf der Bell D-292 wurde in zwei Hälften gefertigt, wodurch die Anzahl der größeren Baugruppen auf ein Minimum reduziert wurde. Bell setzte beim Autoklav-Wickeln Graphitwerkzeuge ein, um die unterschiedliche Wärmeausdehnung zu minimieren. Für den Truss-Heckkonus wurde das Filamentwickelverfahren verwendet.
Die Bell D-292 übernahm die Avco-Lycoming-Triebwerke, das Getriebe, die zweiflügeligen Haupt- und Heckrotoren, den Heckausleger, die Seitenflosse und den Rotorpylon von der Bell 222. Bei der neuen Flugzeugzelle wurde Metall durch Verbundwerkstoffe ersetzt, um eine höhere Festigkeit, ein geringeres Gewicht sowie niedrigere Fertigungs- und Wartungskosten zu erzielen.[3]
Die Struktur der Flugzeugzelle bestand aus einer Vielzahl unterschiedlicher Materialien, darunter Graphit, Kevlar, Glasfaser, Epoxidharz und Polyamide. Die strukturelle Konfiguration umfasste Außenhäute, versteifte Platten, massive Laminate, Sandwichträger, Rahmen und Längsträger. Graphit kam dort zum Einsatz, wo Festigkeit und Steifigkeit erforderlich waren, wie beispielsweise bei den tragenden Längsträgern, Rahmen und Trägern. Kevlar wurde vorwiegend für die Außenhautplatten verwendet. Glasfaser kam an Stellen zum Einsatz, bei denen mit hohem Verschleiß zu rechnen war, wie beispielsweise bei den Fußböden. Einige Teile, wie Türverschlüsse und Befestigungselemente, ließen sich nicht sinnvoll aus Verbundwerkstoffen herstellen und wurden daher aus Standardmaterialien gefertigt.
Das Programm sollte den vorteilhaften Einsatz fortschrittlicher Verbundwerkstoffe und struktureller Konstruktionskonzepte bei der Zelle von Militärhubschraubern demonstrieren. Das vorrangige Ziel bestand darin, die Produktionskosten der Zellen zu senken und deren Gewicht um 17 % bis 22 % zu reduzieren. Die Zelle kostete $185.458. Davon entfielen 28 % auf Materialkosten und die restlichen 72 % auf Arbeitskosten. Die Maschine hatte ein Gesamtgewicht von 3,413 Tonnen.
Die D-292 mit der Seriennummer 85-24371 absolvierte am 30. August 1985 ihren Erstflug, nachdem es zuvor zu Verzögerungen aufgrund von Finanzierungs- und Fertigungsproblemen gekommen war. Im Oktober 1985 wurden insgesamt 15 Stunden Bodentests und 50 Stunden Flugtests durchgeführt.
Bei den Bodentests wurde der D-292 acht verschiedenen statischen Testbedingungen unterzogen:
- symmetrisches Ausleiten
- 15°-Gier nach links mit Rückführung
- 15°-Gier nach rechts mit Rückführung
- Senkrechtstart
- 2-Punkt-Landung mit 20 fps
- 15°-Giertrimmung am Seitenleitwerk
- 15°-Giertrimmung am Höhenleitwerk
- sowie symmetrisches Ausleiten am Höhenleitwerk
Die Maschine bewies seine Fähigkeit, im Vorwärtsflug 222 km/h, im Rückwärtsflug 65 km/h und im Seitwärtsflug 28 km/h zu erreichen, einen Schräglagenwinkel von 60° einzunehmen und einen Belastungsfaktor von 0,5 bis 2 g zu bewältigen.
Ab Ende 1985 bis 1988 die Überprüfung der Crashfähigkeit der Flugzelle. Dazu wurde sie im September 1987 aus 12 m Höhe in verschiedenen Winkeln im NASA Langley Research Centre fallen gelassen.[4]
Das ACAP war ein voller Erfolg und beide Entwürfe (Bell und Sikorsky) konnte dies demonstrieren. Diese Erkenntnisse wurden mit in das LHX Programm übernommen. Aus diesem sollte später der RAH-66 hervor gehen.
Was aus den drei Flugzellen wurde, ist unbekannt. Es ist davon auszugehen, dass sie bei den Falltests eingesetzt wurde und zerstört beziehungsweise so beschädigt wurde, dass sie verschrottet wurde.
Literatur
- Stephen Harding: U.S. Army Aircraft Since 1947. Atglen, PA, USA, 1997, Schiffer Publishing Ltd. ISBN 978-0-933424-53-1
- A.J. Pelletier: Bell Aircraft since 1935. Annapolis, MD: US Naval Institute Press, 1992. Dostupné online. ISBN 1-55750-056-8
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ bell | 1985 | 0074 | Flight Archive. Archiviert vom am 22. Oktober 2012; abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ Bowrey: Historic U.S. Army Helicopters. Archiviert vom am 24. Februar 2007; abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ Terry: Bell D-292 ACAP. In: All Aero. 2. Januar 2024, abgerufen am 26. Juli 2026 (britisches Englisch).
- ↑ Bell D-292 ACAP helicopter – development history, photos, technical data. Abgerufen am 26. Juli 2026.
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