Bassadewitz

Bassadewitz, auch Bassarowitz, Bassarowiz, Passadewitz, Passarowiz oder Passarowitz genannt, ist ein vor allem historisch relevantes Karten- und Stichspiel für 4 Teilnehmer. Das Spiel ähnelt dem Ramsch beim Skat und klassisch wird es mit einem deutschen Blatt gespielt.[1] Ziel ist es, so wenig Punkte wie möglich zu bekommen. Aber es gibt auch die Möglichkeit mit einem Durchmarsch zu gewinnen, ein Vorläufer des as Merkmals "shooting the moon" im Black Lady (auch Hearts genannt).

Geschichte

Das Spiel wurde zum ersten Mal 1729 in einem Gedicht – Das schöne Spiel Bassarowiz – erwähnt.[2] Die Tatsache, dass dies nur 11 Jahre nach dem Friede von Passarowitz bei dem den Venezianisch-Österreichischen Türkenkrieg beendet wurde, geschah, deutet zu einer möglichen Herkunft des Namens hin. Laut der Illustrirte Zeitung (1870) haben „die Siege, welche Prinz Eugen über den Erbfeind der Christenheit und Alliierten des allerchristlichen Königs, den Großtürken, davon, zeitigten sogar die Erfindung des “Bassadewitz” genannten Spiels, das den Passarowitzer Frieden verherrlichen sollte.“[3] Auch sieht Wolfgang Peschel (1990) eine Herleitung des Namens von der serbischen Stadt Passarowitz.[4]

Die erste bekannte Spielregeln wurde 1811 von Paul Hammer veröffentlicht.[5] Hierbei waren die Augenwerte der Spielkarten wie im Skat, die Rangfolge aber war die natürliche. Leider hat Grimm (1840) einen Fehler gemacht, indem er dem Ass einen Augenwert von 5 statt 11 gab.[6] Dieser Irrtum wurde von vielen späteren Autoren widerspiegelt. Das lächerlichste ist, dass bei Grimms Augenwert-Schema die Ansammlung 100 Punkten, die eine Strafe verdienen soll, ganz unmöglich ist, weil es maximal 96 Augen im Spiel sind. Ein paar moderne Autoren wie Parlett oder Kastner & Folkvord haben diesen Fehler korrigiert.[7][8]

Spielweise

Bassadewitz wird mit 32 Karten gespielt, wobei es klassisch mit einem deutschen Blatt und moderner auch mit einem französischen Blatt gespielt wird. Es entspricht in seiner Spielweise einem einfachen Stichspiel. In der Regel wird das Spiel mit vier Spielern gespielt, kann jedoch auch zu dritt oder zu fünft gespielt werden.

Ziel eines jeden Spielers ist es, seine Augenzahl zum Spielende möglichst gering zu halten. Die Rangfolge der Karten ist As/Daus 11 Augen[1], König (4 Augen), Dame/Ober (3 Augen), Bube/Unter (2 Augen), 10 (10 Augen), 9 (0 Augen), 8 (0 Augen), 7 (0 Augen), einen Trumpf gibt es nicht.[9] Zusammen sind im Spiel entsprechend 120 Augen[1] vorhanden.

Bei vier Mitspielern werden 8 Karten gegeben und das Spiel geht entsprechend über acht Runden, in denen jeder Spieler eine Karte spielt. Beim Spiel zu dritt bekommt jeder Spieler 10, beim Spiel zu fünft jeder 6 Karten. Der linke Nachbar des Gebers (Vorhand) spielt aus. Die Mitspieler bedienen die Farbe im Uhrzeigersinn (Bedienpflicht) und wer nicht bedienen kann, wirft eine beliebige Karte ab. Der Spieler mit der jeweils höchsten Karte der angespielten Farbe gewinnt den Stich.[9]

Ein Durchmarsch ist erreicht, wenn ein Spieler alle 8 Stiche erhält.[9]

Wertung

Je nach Quelle wird die Wertung unterschiedlich vorgenommen. Dabei kann entweder um Spielmarken oder Münzen gespielt werden oder es werden Punkte vergeben.

Spiel um Punkte:
Spieler, die am Spielende weniger als 49 Augen erhalten haben, bekommen nach dem Spiel Punkte:

  • 0 Augen = 10 Punkte außer bei Durchmarsch
  • 1 bis 24 Augen = 6 Punkte
  • 25 bis 48 Augen = 2 Punkte.

Ein Durchmarsch zählt 10 Punkte.

Spiel um Spielmarken:
Zu Beginn des Spiels zahlt der Spielleiter und Kartengeber 12 Spielmarken an die Bank, zudem bekommt jeder Spieler einige Spielmarken als Startkapital. Wer am Ende des Spiels keinen Stich oder die wenigsten Augen gewonnen hat, bekommt 5 Spielmarken aus der Bank, der nächste 4 und der dritte 3 Spielmarken. Der Spieler mit der höchsten Punktzahl zahlt an jeden Mitspieler 4 Spielmarken.

Im Falle eines Durchmarschs bekommt kein Spieler Marken aus der Bank und alle Spieler müssen 4 Marken an den Spieler mit dem Durchmarsch zahlen. Die vom Kartengeber gesetzten 12 Spielmarken bleiben aber stehen. Er muss noch einmal geben, und tritt derselbe Fall wiederum ein, noch einmal, und dieses so oft, bis die 12 Marken ausgespielt sind.[8]

Macht dagegen ein Spieler nicht alle Stiche, jedoch so viele, dass er 100 Augen zählt, so muss er jedem 4 Spielmarken bezahlen, und der Kartengeber muss noch einmal geben. Auch hier bleibt der Einsatz stehen.

Beim Schafkopf und Skat gibt es die Spielvariante Ramsch mit ähnlichen Regeln. Die Besonderheit von Bassadewitz macht die Stellung der 10 aus, die in der Rangfolge der Karten relativ weit hinten steht, aber mit Abstand die höchste Augenzahl einbringt.

Literatur

Einzelnachweise

  1. a b c Bassadewitz. In: Heinrich August Pierer, Julius Löbe (Hrsg.): Universal-Lexikon der Gegenwart und Vergangenheit. 4. Auflage. Band 2: Aug …–Bodmer. Altenburg 1857, S. 382 (Digitalisat. zeno.org).
  2. Das schöne Spiel Bassarowiz. In: Christian Friedrich Henrici: Ernst-Schertzhaffte und Satyrische Gedichte: Mit Kupffern, Bd. 3. Joh. Theod. Boetiiseel. Leipzig, 1732. S. 295 ff. Das Gedicht selbst wird 1729 datiert.
  3. Ursprung der Spielkarten. In: Illustrirte Zeitung. 30. April 1870. S. 334.
  4. Bassadewitz. In: Wolfgang Peschel: Bayerisch Schaffkopfen. Stöppel. Weilheim, 1990. S. 34.
  5. Bassadewitz (Bassarowitz). In: Paul Hammer: Tachenbuch für Kartenspieler: die deutschen Kartenspiele oder Anleitung die üblichsten gesellschaftlichen Spiele mit der deutschen Karte als Solo, Kontra, Schaafkopf, Einwerfen, Fünfzehnern, Bassadewitz, Piket, Mariage und Elfern bald und gründlich zu erlernen. Weygand. Leipzig, 1811. S. 291 ff.
  6. Bassadewitz. In: Georg Grimm: Neuestes Spielbuch. Otto Wigand. Leipzig, 1840. S. 249–251.
  7. Bassadewitz (Bassarovitz). In: David Parlett: The Penguin Book of Card Games. Penguin. London, 2008. S. 157.
  8. a b Bassadewitz (Bassarovitz). In: Hugo Kastner und Gerald Kador Folkvord: Die große Humboldt-Enzyklopädie der Kartenspiele: die ersten 500 Jahre. Humboldt. Baden-Baden, 2005. S. 388.
  9. a b c Bassadewitz In: Claus D. Grupp: Kartenspiele. Falken-Verlag Erich Sicker, Wiesbaden 1975; S. 47–48. ISBN 3-8068-2001-5.

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