Author Domain Signing Practices

Author Domain Signing Practices (ADSP) ist eine optionale Erweiterung des E-Mail-Authentifizierungsverfahrens DKIM. Sie ermöglicht es einer Domain, per DNS zu veröffentlichen, welche Signaturpraktiken sie beim Versand von E-Mails im Namen ihrer Autoren anwendet.

ADSP wurde im August 2009 als Standards-Track-Dokument in RFC 5617[1] veröffentlicht, jedoch im November 2013 als „Historic“ eingestuft, da es in den vier Jahren nach seiner Standardisierung nahezu keine praktische Verbreitung gefunden hatte.[2]

Begriffe

Autorenadresse

Die Autorenadresse ist die im Header-Feld From definierte Adresse gemäß RFC 5322.[3] In den seltenen Fällen, in denen dieses Feld mehr als eine Adresse enthält, sieht RFC 5322 die Verwendung des Header-Feldes Sender vor.

Die Domain der 5322-From-Adresse ist nicht notwendigerweise identisch mit der sogenannten Purported Responsible Address, wie sie im Rahmen von Sender ID (RFC 4407[4]) definiert ist. Ebenso unterscheidet sie sich häufig von der Envelope-From-Adresse gemäß RFC 5321[5], auch bekannt als MAIL FROM, Return-Path oder SMTP-Umschlagadresse, die optional durch SPF (RFC 7208[6]) geschützt wird.

Author Domain Signature

Eine Author Domain Signature ist eine gültige DKIM-Signatur, bei der der im d-Tag des Headers DKIM-Signature angegebene Domainname mit der Domain der Autorenadresse übereinstimmt.

Diese Bindung misst Signaturen der Autorendomain einen höheren Vertrauensgrad bei als anderen gültigen DKIM-Signaturen, die möglicherweise ebenfalls in einer Nachricht enthalten sind. Sie belegt, dass die Entität, welche die DNS-Zone der Autorendomain kontrolliert – und damit auch das Ziel von Antworten an den Autor –, die Nachricht tatsächlich weitergeleitet hat. In der Regel wurde die Nachricht über einen legitimen Mail Submission Agent eingereicht. Diese Eigenschaft lässt sich unabhängig von veröffentlichten Signaturpraktiken überprüfen.

Author Domain Signing Practices

Die eigentlichen Signing Practices werden von der Autorendomain in einem DNS-Eintrag veröffentlicht. Für eine Autorenadresse wie [email protected] kann dies beispielsweise wie folgt erfolgen: _adsp._domainkey.example.com. IN TXT "dkim=unknown"

ADSP definiert drei mögliche Richtlinien:

  • unknown – entspricht dem Fehlen eines Eintrags und bedeutet, dass die Domain möglicherweise einige, die meisten oder alle E-Mails signiert;
  • all – besagt, dass alle von der Domain versendeten E-Mails mit einer Author-Domain-Signatur versehen sind;
  • discardable – bedeutet, dass alle E-Mails signiert sind und Nachrichten ohne gültige Author-Domain-Signatur vom empfangenden Server verworfen werden sollen.[7]

Einschränkungen

Die ADSP-Spezifikation rät davon ab, für Domains mit unabhängigen Benutzern und ohne strikt kontrollierte ausgehende Mailserver Richtlinien ungleich unknown zu veröffentlichen, da ein Teil der E-Mails in solchen Fällen nicht signiert wäre.[1]

Ungeachtet dessen waren Zweck und Grenzen von ADSP nicht immer eindeutig. Einer der Mitautoren argumentierte, es sei sinnvoller, private Listen „verwerfbarer“ Domains durch vertrauenswürdige Dritte zu pflegen, anstatt jede Domain ihre eigene Richtlinie veröffentlichen zu lassen.[8][9]

Der Autor einer verbreiteten ADSP-Implementierung schlug später vor, den Standard aufgrund seines experimentellen Charakters herabzustufen.[10] Letztlich wurde ADSP als historisch eingestuft,[2] unter anderem weil DMARC einen ähnlichen Anwendungsfall abdeckt.[11]

Geschichte

ADSP war zunächst unter den Bezeichnungen ASP (Author Signing Practices) und zuvor SSP (Sender Signing Practices) bekannt, bis eine formelle Namensabstimmung innerhalb der DKIM-Arbeitsgruppe stattfand.[12][13]

Der Vorgänger von DKIM, DomainKeys, enthielt bereits eine einfache Ausgangssignaturrichtlinie.[14] DKIM selbst wurde bewusst als richtlinienneutrales Authentifizierungsprotokoll entworfen; die Zuordnung zwischen Absenderidentität und Signatur wurde daher in einer separaten Spezifikation behandelt.[15]

Der ADSP-Entwurf begann im Juni 2007, durchlief elf Revisionen und umfangreiche Diskussionen, bevor er 2009 als RFC veröffentlicht und 2013 mangels praktischer Nutzung wieder zurückgestuft wurde.[2]

Siehe auch

  • John R. Levine, Mark Delany, Eric P. Allman, Jim Fenton: RFC: 5617 – DomainKeys Identified Mail (DKIM) Author Domain Signing Practices (ADSP). August 2009 (englisch).
  • IETF DKIM Working Group

Einzelnachweise

  1. a b John R. Levine, Mark Delany, Eric P. Allman, Jim Fenton: RFC: 5617 – DomainKeys Identified Mail (DKIM) Author Domain Signing Practices (ADSP). August 2009 (englisch).
  2. a b c Change the status of ADSP (RFC 5617) to Historic. In: datatracker.ietf.org. Abgerufen am 5. Januar 2026 (englisch).
  3. RFC: 5322 – Internet Message Format. Oktober 2008 (englisch).
  4. RFC: 4407 – Purported Responsible Address in E-Mail Messages. April 2006 (englisch).
  5. RFC: 5321 – Simple Mail Transfer Protocol. Oktober 2008 (englisch).
  6. RFC: 7208 – Sender Policy Framework (SPF) for Authorizing Use of Domains in Email, Version 1. April 2014 (englisch).
  7. discardable means discardable. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 22. Juli 2015; abgerufen am 5. Januar 2026.
  8. 1: 1 and assertions about third parties. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 22. Juli 2015; abgerufen am 5. Januar 2026.
  9. shared drop lists. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 22. Juli 2015; abgerufen am 5. Januar 2026.
  10. the danger of ADSP, was list vs contributor. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 22. Juli 2015; abgerufen am 5. Januar 2026.
  11. Barry Leiba: How to protect DKIM signatures: Moving ADSP to Historic, supporting DMARC instead. In: IETF Discussion List. Abgerufen am 5. Januar 2026.
  12. Draft of ASP, Author Signing Policy. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 10. März 2016; abgerufen am 5. Januar 2026.
  13. Practices protocol naming poll (Closing issue 1550). Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 9. März 2016; abgerufen am 5. Januar 2026.
  14. Mark Delany: RFC: 4870 – Domain-Based Email Authentication Using Public Keys Advertised in the DNS (DomainKeys). Mai 2007 (englisch).
  15. DKIM Threat Assessment v0.02 (very rough draft). Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 22. Juli 2015; abgerufen am 5. Januar 2026.

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