Anne Piezunka

Anne Piezunka (geb. 1986 in Heidelberg) ist eine deutsche Bildungsforscherin und Hochschullehrerin. Seit März 2026 hat sie die Professur für Schulpädagogik mit Schwerpunkt Schulforschung an der Technische Universität Dresden inne[1].

Leben

Anne Piezunka studierte Sozialkunde / Spanische Philologie auf Lehramt sowie anschließend Soziologie – Europäische Gesellschaften an der Freien Universität Berlin. Von 2013 bis 2020 wirkte sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Projektgruppe „Nationales Bildungspanel: Berufsbildung und lebenslanges Lernen“ am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung. Parallel dazu war sie von 2014 bis 2017 Stipendiatin im Promotionskolleg „Bildungsintegration“ an der Universität Hildesheim[2].

Im Mai 2019 promovierte sie an der Universität Hildesheim mit der Dissertation Ist eine gute Schule eine inklusive Schule? Entwicklung von Messinstrumenten durch Schulinspektionen. Die Arbeit untersucht, wie schulische Inklusion durch Instrumente der Schulinspektionen erfasst und bewertet werden kann. Für ihre Dissertation, betreut von Vera Moser und Melanie Fabel-Lamla, erhielt sie 2019 den Wissenschaftspreis der Sektion Sonderpädagogik der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft sowie 2020 den Förderpreis der Universitätsgesellschaft der Stiftung Universität Hildesheim[3].

Weitere wissenschaftliche Stationen waren die Mitgliedschaft im Graduiertenkolleg Inklusion - Bildung - Schule an der Humboldt-Universität zu Berlin (2015–2019), ein Forschungsaufenthalt an der School of Education and Social Policy der Northwestern University (2016), die Mitarbeit im Projekt Reckahner Reflexionen zur Ethik pädagogischer Beziehungen (2018–2020) zusammen mit Annedore Prengel[4], eine Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sonderpädagogik der Goethe-Universität Frankfurt am Main (2020–2026) sowie eine Gastwissenschaftlerinnentätigkeit am WZB (2020–2025). Von Oktober 2023 bis März 2024 vertrat sie zudem an der Universität Münster eine Professur für Erziehungswissenschaft mit Schwerpunkt Inklusive Bildung und Sonderpädagogik[5]. Von 2020 bis 2026 schließlich war sie Professorin für Soziale Arbeit mit Schwerpunkt Gender, Diversity und Inklusion an der Hochschule für Soziale Arbeit und Pädagogik in Berlin[6], bis sie im Sommersemester 2026 den Ruf auf die Professur für Schulpädagogik mit Schwerpunkt Schulforschung an die Technische Universität Dresden annahm.

Arbeits- und Forschungsschwerpunkte

Anne Piezunkas Forschung bewegt sich an der Schnittstelle von Inklusionsforschung, Schulforschung und Bildungssoziologie. Mit überwiegend qualitativen Forschungsansätzen untersucht sie, wie Akteurinnen im Bildungssystem bildungspolitische Vorgaben wahrnehmen, deuten und in diesem Sinn ihr alltägliches Handeln gestalten.[7]

Ein zentrales Anliegen ihrer Arbeit ist die Frage, wie Inklusion im Bildungssystem verstanden, umgesetzt und empirisch untersucht werden kann. Dabei richtet sie ihren Blick sowohl auf schulische Praxis, als auch auf die Konzepte, Kategorien und Bewertungsverfahren, mit denen Inklusion beschrieben und beurteilt wird. In ihren Arbeiten zeigt sie, dass Inklusion kein einheitlich definierter Begriff ist, sondern je nach wissenschaftlicher, politischer oder schulischer Perspektive unterschiedlich interpretiert wird[8]. Entsprechend beschäftigt sie sich mit den Voraussetzungen und Folgen verschiedener Inklusionsverständnisse sowie mit der Frage, wie Teilhabe und Bildungsgerechtigkeit in Schulen gefördert werden können.

Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Forschung liegt auf Schulqualität und Schulentwicklung. Insbesondere untersucht sie, wie Schulen bewertet werden und welche Rolle dabei Instrumente der Schulinspektion spielen. In ihrer Dissertation analysierte sie, wie Inklusion in schulischen Qualitätsrahmen und Evaluationsverfahren berücksichtigt wird und welche Vorstellungen von guter Schule diesen zugrunde liegen. Dabei verbindet sie erziehungswissenschaftliche Fragestellungen mit organisationssoziologischen Perspektiven und untersucht, wie Bewertungs- und Entscheidungsprozesse in Bildungseinrichtungen gestaltet werden[9].

Darüber hinaus beschäftigt sich Piezunka mit Prozessen der Differenzkonstruktion im Bildungssystem. Sie untersucht, auf welche Weise Kategorien wie sonderpädagogischer Förderbedarf, Behinderung oder andere Formen von Diversität in schulischen und bildungspolitischen Zusammenhängen hergestellt und verwendet werden. Dabei interessiert sie insbesondere, welche Auswirkungen solche Zuschreibungen auf Bildungswege, Teilhabechancen und institutionelle Entscheidungen haben.[10]

Sie forscht zudem zu pädagogischen Beziehungen und Fragen der Anerkennung. Im Mittelpunkt stehen dabei die Erfahrungen von Kindern und Jugendlichen in Bildungseinrichtungen sowie die Bedingungen gelingender pädagogischer Interaktionen. Ihre Arbeiten befassen sich unter anderem mit Wohlbefinden, der Bedeutung wertschätzender Beziehungen für inklusive Bildungsprozesse sowie Diskriminierungserfahrungen. Hierauf aufbauend forscht sie aktuell vor allem zu Fragen seelischer Gewalt im Kontext von Schule und Unterricht, etwa im Rahmen ihres DFG-Netzwerks Dimensionen seelischer Gewalt in pädagogischen Settings. Theoretische Bestimmungen und empirische Analysen[11] oder im Kontext des Teilprojekts Kinderschutz in Schulen. Wohlbefinden und emotionale Gewalt in pädagogischen Beziehungen (CHIPS) innerhalb des DFG-geförderten Sonderforschungsbereichs 1750 [in:just] Inclusion : Recognition : Justice. Teilnahme und Teilhabe im Prozess des Aufwachsens[12].

Publikationen (Auswahl)

  • Piezunka, A. & Richter, S. (2026). Seelische Gewalt in pädagogischen Settings - eine theoretische Annäherung. Diskurs Kindheits- und Jugendforschung, H. 2, S. 279–294.
  • Piezunka, A. & Moser, V. (2025). Diversität sichtbar machen - Evaluation von Schulen durch Schulinspektionen // Diversität sichtbar machen – Evaluation von Schulen durch die Schulinspektionen. Zeitschrift für Diversitätsforschung und -management, 10(2), 121. doi:10.3224/zdfm.v10i2.02
  • Piezunka, A. & Frohn, J. (2022). Nähe auf Distanz? Zur Gestaltung von Lehrkraft-Schüler-Beziehungen während der Corona-Pandemie. Empirische Pädagogik, 36(2), 130–144.[13]
  • Piezunka, A. (2020). Ist eine gute Schule eine inklusive Schule? Entwicklung von Messinstrumenten durch Schulinspektionen. Bad Heilbrunn: Klinkhardt Verlag. https://www.klinkhardt.de/newsite/media/20200326_9783781557994_bf.pdf.
  • Piezunka, A., Schaffus, T., & Grosche, M. (2017). Vier Verständnisse von schulischer Inklusion und ihr gemeinsamer Kern: Ergebnisse von Experteninterviews mit Inklusionsforscherinnen und -forschern. Unterrichtswissenschaft. (4), 207–222.

Einzelnachweise

  1. Professur für Schulpädagogik: Schulforschung Professur für Schulpädagogik: Schulforschung Adresse work Besuchsadresse: Münchner Straße 1, Raum MS1-415 01187 Dresden: Prof. Dr. Anne Piezunka. Abgerufen am 5. Juli 2026.
  2. Anne Piezunka | Lehrende | Die Hochschule | Hochschule für soziale Arbeit und Pädagogik (HSAP). Abgerufen am 5. Juli 2026 (deutsch).
  3. Anne Piezunka | Lehrende | Die Hochschule | Hochschule für soziale Arbeit und Pädagogik (HSAP). Abgerufen am 5. Juli 2026 (deutsch).
  4. Pädagogische Beziehungen – Reckahner Reflexionen, pädagogische Beziehungen, Reckahn. Abgerufen am 5. Juli 2026.
  5. Universität Münster, Institut für Erziehungswissenschaft: Piezunka, Anne. 11. September 2023, abgerufen am 5. Juli 2026.
  6. Anne Piezunka | Lehrende | Die Hochschule | Hochschule für soziale Arbeit und Pädagogik (HSAP). Abgerufen am 5. Juli 2026 (deutsch).
  7. Professor, Professor (Full) at TUD Dresden University of Technology: Anne PIEZUNKA | Professor (Full) | Professor | TUD Dresden University of Technology, Dresden | TUD | Erziehungswissenschaft | Research profile. Abgerufen am 5. Juli 2026 (englisch).
  8. Vier Definitionen von schulischer Inklusion und ihr konsensueller Kern. Ergebnisse von Experteninterviews mit Inklusionsforschenden. (PDF) Abgerufen am 5. Juli 2026.
  9. Anne Piezunka: Ist eine gute Schule eine inklusive Schule? Entwicklung von Messinstrumenten durch Schulinspektionen. Verlag Julius Klinkhardt, Bad Heilbrunn 2020, ISBN 978-3-7815-2360-9.
  10. Professor, Professor (Full) at TUD Dresden University of Technology: Anne PIEZUNKA | Professor (Full) | Professor | TUD Dresden University of Technology, Dresden | TUD | Erziehungswissenschaft | Research profile. Abgerufen am 5. Juli 2026 (englisch).
  11. DFG - GEPRIS. Abgerufen am 5. Juli 2026.
  12. DFG - GEPRIS. Abgerufen am 5. Juli 2026.
  13. Empirische Pädagogik 2022 – 36 (2) Kap.2. [digital]. Verlag Empirische Pädagogik, abgerufen am 5. Juli 2026.

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