Andreas Bechdolf

Andreas Bechdolf (* 1967) ist ein deutscher Psychiater, Psychotherapeut und Gesundheitsökonom. Er ist als Chefarzt und Professor für Psychiatrie und Psychotherapie in Berlin tätig.

Leben und Wirken

Bechdolf studierte von 1987 bis 1994 Humanmedizin an der RWTH Aachen und an der Freien Universität Berlin. 1996 wurde er in Aachen zum Doktor der Medizin promoviert.[1] Es folgten Weiterbildungen zum Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie (2001) und der Zusatzqualifikation Psychotherapie (2003). Von 2002 bis 2007 war Bechdolf als Oberarzt in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Köln tätig. In dieser Zeit absolvierte er von 2005 bis 2007 das Studium „Gesundheitsökonomie und Krankenhausmanagement“ an der Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen in Köln. Von 2007 bis 2008 setzte er seine oberärztliche Tätigkeit als Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft bei ORYGEN Youth Health in Melbourne (Australien) fort.[1]

Mit der Arbeit „Kognitive Verhaltenstherapie bei Personen mit erhöhtem Psychoserisiko im psychosefernen Prodrom – ein Beitrag zur Prävention schizophrener Störungen“ habilitierte sich Bechdolf im Jahr 2007 an der Universität zu Köln. Im selben Jahr erfolgte die Ernennung zum Associate professor der Universität Melbourne. Im Anschluss daran war er von 2008 bis 2012 leitender Oberarzt in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Uniklinik Köln. Die Ernennung zum Professor der Uniklinik Köln folgte 2012. Seit 2012 ist er Chefarzt der Kliniken für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Vivantes Klinikum Am Urban und des Vivantes Klinikum im Friedrichshain, beide Akademische Lehrkrankenhäuser der Charité-Universitätsmedizin.[1]

Bechdolf ist seit 2023 Professor an der Charité-Universitätsmedizin Berlin,[2] wo er zudem die AG Präventive Psychiatrie, innovative Versorgungs- und Psychotherapieformen leitet.[3] Er ist Autor zahlreicher Publikationen in der (frühen) Behandlung von schweren psychischen Erkrankungen und innovativen Behandlungsformen wie zum Beispiel der Behandlung zuhause (Home-Treatment).

Bechdolf ist Mitglied zahlreicher Fachgesellschaften, unter anderem des geschäftsführenden Ausschusses des Arbeitskreises der Chefärzt*Innen der Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie an Allgemeinkrankenhäusern (ackpa)[4] und Medical Board Sprecher für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des kommunalen Klinikkonzerns Vivantes Berlin[5]. Er gehört der Leitlinienkommission Schizophrenie und psychosoziale Interventionen der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde an. Bechdolf ist Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e. V. (DGPPN)[6] und Principal Investigator der Deutschen Gesellschaft für Psychoedukation (DGPE)[7].

Medizinische Schwerpunkte

Bechdolfs Engagement gilt insbesondere der Weiterentwicklung einer integrierten und bedürfnisorientierten psychiatrisch-psychotherapeutischen Versorgung. Im Zentrum stehen dabei Ansätze zur Früherkennung und Frühintervention schwerer psychischer Erkrankungen sowie die Weiterentwicklung stationsersetzender und sektorenübergreifender Behandlungsmodelle wie Home-Treatment und stationsäquivalente Behandlung (StäB).

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der systematischen Verbesserung der Behandlungsqualität im stationären Setting, insbesondere durch die Implementierung und Evaluation des Safewards-Konzepts zur Reduktion von Gewalt und Konflikten. Parallel dazu werden recovery-orientierte Versorgungskonzepte mit evidenzbasierten psychotherapeutischen Verfahren verknüpft, darunter die Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT), die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) sowie Elemente der Interpersonellen Psychotherapie (IPT). Ergänzend finden integrative verhaltensbezogene Ansätze wie der Community Reinforcement Approach (CRA) Anwendung.

Im Bereich der Versorgungsforschung umfasst das Tätigkeitsspektrum zudem die strukturierte Einbindung von Genesungsbegleiterinnen und -begleitern (Peer-Support) in multiprofessionelle Behandlungsteams sowie die Förderung beruflicher und schulischer Teilhabe durch Individual Placement and Support (IPS). Diese Ansätze werden im Rahmen klinischer Implementations- und Versorgungsforschung hinsichtlich Wirksamkeit, Umsetzbarkeit und nachhaltiger Integration in die Regelversorgung untersucht.[1]

Auszeichnungen (Auswahl)

  • 2008: Gerd Huber Preis für die Prävention von Psychosen[1]
  • 2008: Independent Investigator Award – National Alliance for the Research of Schizophrenia and Depression[1]
  • 2011: Psychotherapiepreis der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde[1]
  • 2011: Innovationspreis der KKH-Allianzversicherung[1]
  • 2019: Pflegepreis der DGPPN für die Einführung und Evaluation von Safewards: Teamintervention zur Erhöhung der Partizipation und Reduktion von Zwang[1]
  • 2024: Sozialpsychiatrischer Forschungspreis der Deutschen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie 2024, gemeinsam mit der Forschungsgruppe[8]

Publikationen (Auswahl)

  • Selbstwahrnehmbare Vulnerabilität, Frühsymptome und Bewältigungsreaktionen bei affektiven Psychosen. Dissertation, RWTH Aachen, 1996.
  • als Hrsg. mit Georg Juckel: Psychoedukation bei Personen mit erhöhtem Psychoserisiko. Schattauer, Stuttgart/New York 2006, ISBN 978-3-608-42475-1.
  • mit Verena Veith, Jörn Güttgemanns, Sonja Gross: Kognitive Verhaltenstherapie bei Personen mit erhöhtem Psychoserisiko. Ein Behandlungsmanual. Huber, Bern 2010, ISBN 978-3-456-84853-2.
  • mit Heinz Häfner, Joachim Klosterkötter, Kurt Maurer: Psychosen. Früherkennung und Frühintervention. Der Praxisleitfaden. Schattauer, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-7945-2704-5.
  • als Hrsg. mit Stefan Weinmann, Nils Greve: Psychiatrische Krisenintervention zu Hause. Das Praxisbuch zu StäB & Co. Psychiatrie Verlag, Köln 2021, ISBN 978-3-96605-050-0.
  • mit Karolina Leopold, Anja Lehmann, Eva Burkhardt: Junge Menschen mit Psychosen begleiten. Das Praxisbuch zum FRITZ. Psychiatrie Verlag, Köln 2022, ISBN 978-3-96605-114-9.

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h i Prof. Dr. Andreas Bechdolf. In: Vivantes. Abgerufen am 22. Oktober 2021.
  2. Philipp Sterzer: Team. Abgerufen am 20. Juni 2023.
  3. AG Präventive Psychiatrie, innovative Versorgungs- und Psychotherapieformen: Charité – Universitätsmedizin Berlin. Abgerufen am 26. Mai 2026.
  4. Geschäftsführender Ausschuss 2022 – ackpa. Abgerufen am 20. Juni 2023.
  5. Katja Barnikow: Person. Abgerufen am 20. Juni 2023.
  6. Vorstand. Abgerufen am 20. Juni 2023.
  7. DGPE e.V. Wir über uns. In: Deutschen Gesellschaft für Psychoedukation e.V. Abgerufen am 20. Juni 2023.
  8. Verleihung der DGSP-Forschungspreise – DGSP e.V. Abgerufen am 26. Mai 2026.

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