Adolphe Seyboth

Auguste Adolphe Seyboth, zumeist Adolphe Seyboth (geboren am 30. August 1848 in Straßburg; gestorben am 7. September 1907 ebenda) war ein französisch-deutscher Kultur- und Kunsthistoriker, Museumskurator und Zeichner.
Leben
Adolphe Seyboth war ein Sohn des Kaufmanns Philippe Auguste Seyboth und dessen Frau Albertine Emilie (geborene Herrmann) und hatte eine jüngere Schwester Marie Émilie Seyboth (1851–1928). Er besuchte zunächst ab September 1857 das Protestantischen Gymnasium in Straßburg und anschließend bis 1865 das Lycée, das er mit dem Baccalauréat abschloss. Nach seinem Studium der Rechtswissenschaften wurde Seyboth 1869 zum Anwalt ernannt. Ab 1871 absolvierte er ein Referendariat an der Straßburger Anwaltskammer. Im Deutsch-Französischen Krieg diente er während der Belagerung der Stadt als Unteroffizier der Artillerie in der französischen mobilen Nationalgarde. Nach der Annexion Straßburgs beendete Seyboth seine Laufbahn als Anwalt und wandte sich der Erforschung der Geschichte seiner Heimatstadt zu.
Seyboth wurde 1875 Mitglied der Société des Amis des Arts als deren Kurator er ab 1877 Ausstellungen organisierte. Für die Société pour la conservation des monuments historiques d’Alsace (Gesellschaft zur Erhaltung historischer Denkmäler im Elsass) fungierte er als Ratgeber für archäologische Fragen. Er engagierte sich zudem lokalpolitisch und wurde bei den Kommunalwahlen am 6. Juli 1891 in den Stadtrat gewählt. Im Jahr 1893 wurde ihm die Leitung des neu gegründeten Kupferstichkabinetts übertragen und noch im selben Jahr wurde er Kurator und 1897 Direktor des Gemälde- und des Kunstgewerbemuseums.
Bei seinen Forschungen zur Vergangenheit der Stadt interessierte sich Seyboth besonders für das alltägliche Leben der Bewohner, die Geschichte der Straßen und Häuser Straßburgs vom 16. bis ins 18. Jahrhundert. Er fertigte Kohlezeichnungen unterschiedlicher historischen Kostüme und Charaktere und Karikaturen seiner Zeitgenossen an. Zudem verfasste er zahlreiche Beiträge für regionale Zeitschriften oder deutsche Zeitungen und Magazine.
Das 1880 erschienene Werk Costumes des femmes de Strasbourg (XVIIe et XVIIIe siècles), eine Sammlung von Straßburger Frauentrachten aus dem 17. und 18. Jahrhundert, die er aus älteren zumeist seltenen Werken zusammengestellt hatte, wurde zunächst in nur 50 Exemplaren gedruckt. Es wurde angemerkt, dass dieses zwar einen für die Kostümkunde und die Lokalhistorie wichtigen Beitrag liefere, dass jedoch die „Darstellungsweise, vorwiegend einfach in Umrissen und in Schwarzdruck“ ausgeführt wurde und „Farbenangabe und ein kurzer erläuternder Text“ wünschenswert gewesen wären.[1]
Seit dem 29. November 1881 war er mit Julie (geborene Kremer oder Krämer; 9. Januar 1847 – 19. Mai 1924) verheiratet, einer Tochter des Charles Théodore Kremer (1814–1884) und dessen Frau Sophie Caroline (geborene Weber; 1807–1884).[2] Seine Frau war zuvor bereits ab 1865 mit Frédéric Auguste Staempfli (1840–1872) verheiratet.
Seine umfangreiche Bibliothek wurde nach seinem Tode im März 1908 in Straßburg versteigert.[3]
Seyboth’sches Haus

der Zaberner Ring links oben in B2
Seyboth bewohnte ein Haus am Boulevard du Président Poincaré 32 (zeitweise auch Zawerner oder Zaberner Ring 32 genannt) in Straßburg, das 1894 von dem mit ihm seit der Schulzeit befreundeten Architekten Marcel Eissen (1848–1914)[4] errichtet wurde. Die Fassade des Hauses war aus Vogesensandstein errichtet und mit Verblendziegeln verkleidet. Im Erdgeschoss gab es eine große sechseckige Halle, mit einer Galerie, die sich über zwei Geschosse erstreckte und als Arbeitszimmer und Bibliothek diente. Im Obergeschoss befanden sich die Schlafräume und eine Badestube.[5] An dieser Stelle befand sich ehemals ein Gebäude, das „der Dicke Turm“ genannt wurde. Die Straße war mit dem angrenzenden Boulevard du Président-Wilson (Kronenburger Ring) früher Teil der Rue Militaire du Bastion.[6]
Rue Adolphe Seyboth
Die ehemalige Biekergasse oder Pickergasse (erstmals 1286 erwähnt) in Straßburg wurde während der Zeit der Französischen Revolution als Rue de la Fontaine (Brunnenstraße) bezeichnet, da sich hier das Gasthaus „zum goldenen Springbrunnen“ befand. Bereits im 18. Jahrhundert wurde sie auch als „Büchergasse“ (Rue des Livres) bezeichnet.[7]
Im Jahr 1919 wurde sie schließlich nach Seyboth in „Rue Adolphe Seyboth“ umbenannt, der in dieser Straße die Häuser Nr. 2 und 4 besaß.[8]
Auszeichnungen (Auswahl)
- 1904: preußischer Orden des Roten Adlers 4. Klasse
- 1905: Ritter der französischen Ehrenlegion
Werke (Auswahl)
- Kostümzeichnungen
-
Frau eines Handwerkers (Wintertracht, um 1706)
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Sommerkleidung (um 1706)
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Dame in festlichem Gewand (um 1706)
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Frau in Trauergewand (Zeit Ludwig XV.)
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Bürgermeister (um 1596)
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Bürgermeister (um 1740)
Schriften
- Costumes des femmes de Strasbourg (XVIIe et XVIIIe siècles). Quarante-six planches dessinees d’apres des documents de l’epoque. R. Schultz, Straßburg 1880.
- Costumes strasbourgeois (hommes) (XVIe, XVIIe et XVIIIe siècles). Cinquante-quatre planches dessinées d’après des documents de l’époque. R. Schultz, Straßburg 1881.
- Das alte Strassburg vom 13. Jahrhundert bis zum Jahre 1870. Geschichtliche Topographie nach den Urkunden und Chroniken bearbeitet. Heitz & Mündel, Straßburg 1890 (Katalog aller Häuser und ihrer Bewohner, archive.org).
- Souvenirs du vieux Strasbourg. Cinquante planches avec texte explicative. Straßburg 1892.
- Strasbourg historique et pittoresque depuis son origine jusqu’en 1870. Impr. Alsacienne, Straßburg 1894 (babel.hathitrust.org – Aquarelle von Albert Koerttgé und Émile Schweitzer).
- Ansichten des alten Strassburg. Heitz & Mündel, Straßburg 1891 (babel.hathitrust.org).
- III. Die älteste Strassburger Apotheke. In: Festgabe den Theilnehmern an der 26: Jahresversammlung des Deutsehen Apothekervereins in Strassburg am 23.–27. August 1897. Elsässiche Druckerei und Verlagsanstalt, Straßburg 1897, S. 180–182 (archive.org).
- Brasseries et brasseurs de Strasbourg du treizième siècle jusqu’à nos jours. Fischbach, Straßburg 1898.
- mit Félix Blumstein: Urkunden des Stiftes genannt Unser-Lieben-Frauen-Werk. Auszüge betreffend der Stadt Strassburg zukommende Rechte in der Verwaltung des Werkes. Elsässische Druckerei und Verlagsanstalt, Straßburg 1900.
- Album de l’Exposition militaire de la Société des amis des arts de Strasbourg. 33 planches en phototype avec texte explicatif par Adolphe Seyboth et C. Binder. Imprimerie alsacienne, Straßburg 1904.
Literatur
- Seyboth, Adolphe. In: Édouard Sitzmann (Hrsg.): Dictionnaire de biographie des hommes célèbres de l’Alsace depuis les temps les plus reculés jusqu’à nos jours. Band 2: K–Z. F. Sutter, Rixheim 1910, S. 774–775 (gallica.bnf.fr).
- Seyboth, Adolphe. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 30: Scheffel–Siemerding. E. A. Seemann, Leipzig 1936, S. 548 (biblos.pk.edu.pl).
- Georges Foessel: Seyboth, Auguste Adolphe. In: Christian Baechler (Hrsg.): Nouveau dictionnaire de biographie alsacienne. Faszikel 35: Se–Sta. Fédération des Société d’histoire et d’archéologie d’Alsace, Straßburg 2000, ISBN 2-85759-034-2, S. 3623–3624 (alsace-histoire.org).
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Costumes des femmes de Strasbourg (XVIIe et XVIIIe siècles) … In: Carl von Lützow (Hrsg.): Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst. 15. Jahrgang, Nr. 34. E. A. Seemann, Leipzig 1880, Sp. 544 (Textarchiv – Internet Archive).
- ↑ Georges Foessel: Seyboth, Auguste Adolphe In: Christian Baechler (Hrsg.): Nouveau dictionnaire de biographie alsacienne. Faszikel 35: Se–Sta. Fédération des Société d’histoire et d’archéologie d’Alsace, Straßburg 2000, ISBN 2-85759-034-2, S. 3623–3624 (alsace-histoire.org).
- ↑ Bibliothèque de Mr. Ad. Seyboth. Strassburger Buecher-Auktion am 17. und 18. März 1908. Lindner’s Buchhandlung (Schlesier & Schweikhardt), Straßburg 1908.
- ↑ Gaëlle Duval: Trois hôtels particuliers de Marcel Eissen, architecte français en Alsace au temps de l’annexion. In: Source(s). Arts, Civilisation et Histoire de l’Europe. Nr. 12, 2018, ISSN 2265-1306, S. 73–86, doi:10.57086/sources.225.
- ↑ Strassburg und seine Bauten. K. J. Trübner, Straßburg 1894, S. 559–560 (Textarchiv – Internet Archive – Abbildung von Fassade und Grundriss).
- ↑ Adolf Seyboth: Rue Militaire du Bastion. In: Das alte Strassburg, vom 13. Jahrhundert bis zum Jahre 1870; geschichtliche Topographie nach den Urkunden und Chroniken. Heitz & Mundel, Straßburg 1890, S. 265 (Textarchiv – Internet Archive).
- ↑ Adolf Seyboth: Büchergasse – Rue de la Fontaine. In: Das alte Strassburg, vom 13. Jahrhundert bis zum Jahre 1870; geschichtliche Topographie nach den Urkunden und Chroniken. Heitz & Mundel, Straßburg 1890, S. 93–94 (Textarchiv – Internet Archive).
- ↑ Maisons de Strasbourg – Adolphe Seyboth (rue) : Pickergasse (maisons-de-strasbourg.fr.nf).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Seyboth, Adolphe |
| ALTERNATIVNAMEN | Seyboth, Auguste Adolphe (vollständiger Name); Seyboth, Adolphe-Auguste; Seyboth, Adolf; Seiboth, Ad. |
| KURZBESCHREIBUNG | französisch-deutscher Kultur- und Kunsthistoriker, Museumskurator und Zeichner |
| GEBURTSDATUM | 30. August 1848 |
| GEBURTSORT | Straßburg |
| STERBEDATUM | 7. September 1907 |
| STERBEORT | Straßburg |
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