2016 Bitfinex Hack

Der sogenannte 2016 Bitfinex Hack war ein vom Hacker Ilya Lichtenstein durchgeführter Diebstahl von knapp 120.000 Bitcoins von der Kryptobörse Bitfinex im Jahr 2016. Aufgrund des unkonventionellen Täterpaares – Ilya Lichtenstein und Heather Morgan – und der Höhe der erbeuteten Summe wurde weltweit darüber berichtet.[1][2]

Tathergang

Im August 2016 hackte sich Ilya Lichtenstein in die Kryptobörse Bitfinex und stahl 119.754 Bitcoins, was zum Tatzeitpunkt einem Wert von etwa 72 Millionen US-Dollar entsprach.[3] Obwohl Bitfinex Multisignatur-Wallets von BitGo verwendete, die Auszahlungen durch eine zusätzliche Autorisierungsebene schützen sollten, konnte Lichtenstein eine Schwachstelle in den Sicherheitsprotokollen ausnutzen. Darüber hinaus konnte er Benutzernamen und Passwörter ausspähen, was ihm ermöglichte, sich auch bei anderen Kryptobörsen anzumelden und deren Kunden zu bestehlen.[4]

Lichtenstein wartete fünf Monate, bevor er begann, die erbeuteten Bitcoins in kleinen Beträgen zu verschieben, um keine Aufmerksamkeit zu erregen. Dazu nutzte er das Darknet, andere Kryptowährungsbörsen sowie Bankkonten in mehreren Ländern. Hilfe erhielt er von seiner Frau Heather Rhiannon Morgan, die unter dem Künstlernamen Razzlekhan als Rapperin bekannt ist. Die zwei Täter nutzten falsche Identitäten, ein Netzwerk aus Wallets, Börsen, das Darknet und Scheinfirmen. Zwischen April 2017 und April 2019 unterbrachen sie die Tätigkeit, um nicht entdeckt zu werden. Ab 2019 wurden Bitcoins im Wert von über 400 Millionen US-Dollar verschoben, wofür Zehntausende Zwischenadressen und Mixing-Dienste verwendet wurden.

Lichtenstein reiste nach Kasachstan und in die Ukraine, um dort Teile der erbeuteten Kryptowährung durch Mittelsmänner in Bargeld einzutauschen. Dieses Geld wurde zu Adressen in Russland und der Ukraine verschickt und gelangte danach auf amerikanische Bankkonten.[4]

Ermittlungen

Während die Bitcoins gewaschen wurden, entwickelten Krypto-Forscher Tracking-Tools, welche die Verfolgung von Chain-Hopping (schnelle Bewegungen über verschiedene Blockchains) und Peeling Chains (Rückverfolgung über eine Vielzahl von Adressen) ermöglichten. Die Experten konnten damit Konten identifizieren, auf welchen gestohlene Bitcoins lagerten.[5]

Internationale Strafverfolgungsbehörden schlossen in dieser Zeit Darknet-Märkte und konnten Transaktionsprotokolle sicherstellen, welche die Identifizierung von Personen ermöglichten, die an den Bewegungen beteiligt waren. Als kleinere Scheinkonten mit Konten von Lichtenstein und Morgan in Verbindung gebracht werden konnten, erwirkten die Ermittler einen Durchsuchungsbefehl für ein Cloud-Konto von Lichtenstein. Dort wurden Wallet-Adressen samt Passwörtern gefunden, welche dem Raub zugeordnet werden konnten. Darauf wurden 94.000 Bitcoins sichergestellt, die zu dieser Zeit einen Wert von 3,6 Milliarden US-Dollar hatten.[5]

Am 5. Januar 2022 durchsuchten das FBI, die Strafverfolgungsabteilung der US-Steuerbehörde (IRS-CI) und Homeland Security Investigations (HSI) die Wohnung des Paares in New York. Dabei wurden eine Tasche mit Mobiltelefonen und weitere verdächtige Gegenstände gefunden. Auf den elektronischen Geräten wurden Vermögenswerte entdeckt, die mit dem Diebstahl in Verbindung standen.[4]

Am 8. Februar 2022 wurden Lichtenstein und Morgan wegen Geldwäscheverschwörung und Verschwörung zum Betrug der Vereinigten Staaten verhaftet.[6] Über die Bitcoins hinaus wurden weitere Werte sichergestellt, die mit den gestohlenen Bitcoins erworben worden waren: Kryptowährungen, Goldmünzen, US-Dollar und andere Vermögenswerte. Aufgrund der Wertsteigerung umfasste die Beschlagnahme einen Gesamtwert von etwa 10 Milliarden US-Dollar, also erheblich mehr als ursprünglich gestohlen wurde.[4] Das machte die Beschlagnahme zur umfangreichsten in den USA überhaupt.

Gerichtsverfahren und Strafen

Um das erwartete Strafmaß zu reduzieren, arbeiteten Lichtenstein und Morgan mit den Strafverfolgungsbehörden zusammen. Dabei wurde auch Roman Sterlingov belastet, der als Administrator des Mixing-Dienstes Bitcoin Fog tätig war. Dieser wurde zu zwölf Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Der Betreiber des Mixing-Dienstes Helix, Larry Harmon, gestand eine Beteiligung und wurde zu drei Jahren Haft verurteilt.[7]

Im August 2023 bekannten sich Lichtenstein und Morgan der Verschwörung zur Geldwäsche schuldig. Morgan bekannte sich zudem der Verschwörung zum Betrug der Vereinigten Staaten schuldig.[4] Im November 2024 wurden Lichtenstein zu 60 Monaten und Morgan zu 18 Monaten Haft verurteilt.[6] Am 26. Oktober 2025 wurde Morgan vorzeitig entlassen.[8] Am 9. Februar 2026 wurde Lichtenstein vorzeitig entlassen und dankte Präsident Trump für den First Step Act (Bundesgesetz, das Strafen für gewaltfreie Straftäter reduziert), der dies ermöglicht habe. Ein Vertreter der Trump-Regierung bestätigte, dass Liechtenstein in den Hausarrest entlassen wurde.[9]

Nach der Haft

Lichtenstein kündigte an, einen Beitrag zur Cybersicherheit leisten zu wollen.[9] Morgan ist wieder als Rapperin tätig.

Dokumentarfilm

Im Jahr 2024 erschien der Dokumentarfilm Biggest Heist Ever – Der große Bitcoin-Raub auf Netflix.

Einzelnachweise

  1. Bitfinex-Hacker zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. In: spiegel.de. 24. November 2024, abgerufen am 11. März 2026.
  2. Razzlekhan, crypto’s most embarrassing rapper, is going to prison. 18. November 2024, abgerufen am 11. März 2026.
  3. The New York Times: Bitcoin Plunges After Hacking of Exchange in Hong Kong, 3. August 1026, aufgerufen am 15. März 2026
  4. a b c d e Ilya Lichtenstein and Heather "Razzlekhan" Morgan Sentenced In The Bitfinex Case As Government Recovers $10 Billion in Stolen Funds. 13. November 2024, abgerufen am 11. März 2026.
  5. a b Inside the Chess Match That Led the Feds to $3.6 Billion in Stolen Bitcoin. In: time.com. 10. Februar 2022, abgerufen am 16. März 2026.
  6. a b 2016 Bitfinex Hack. justice.gov, 29. Oktober 2024, abgerufen am 11. März 2026.
  7. Operator of Helix Darknet Cryptocurrency ‘Mixer’ Sentenced in Money Laundering Conspiracy Involving Hundreds of Millions of Dollars. In: justice.gov. 15. November 2024, abgerufen am 13. März 2026.
  8. Freedom for Lichtenstein: Why the Bitfinex Hacker Was Released From Prison Early. In: forklog.com. 16. Januar 2026, abgerufen am 11. März 2026.
  9. a b Ilya Lichtenstein, Bitcoin hacker behind massive crypto theft, credits Trump for early prison release. In: cnbc.com. 2. Januar 2026, abgerufen am 11. März 2026.

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